Tragischer Vorfall in Emsdetten und seine möglichen Folgen
Erkenntnisse zu dem tragischen Ereignis in Emsdetten
Es ist nun wohl eine geraume Zeit her, als in den Medien die Tragödie
von Emsdetten in politisch wirksamer Art über dieses Geschehen berichtet
wurde und die ganze Nation in Betroffenheit brachte. Viele werden sich
jetzt fragen, was das nun mit Airsoft zu tun hat. Aber die daraus
folgenden politischen Aufschreie in Bezug auf Killerspiele und
Neuüberarbeitung des Waffengesetzes bringt natürlich ebenfalls die
Frage, ob Airsoft zukünftig noch als Sportart eine Chance hat.
In den überwiegenden Communities hält man sich zu diesem Thema bedeckt, da man die polizeilichen Recherchen nicht behindern und der Presse kein falsches Futter für ihre Medienberichterstattung bieten will. Dennoch ist es wichtig Stellung zu diesem Fall zu beziehen, damit auch die Öffentlichkeit erkennt, dass passionierte Airsoftspieler sich mit diesem ernsten Thema auseinandersetzen.
Hier muss mal objektiv betrachtet werden, was genau passiert ist, damit man auch mal erkennen kann, wie Sensations-Journalismus und teils dilettantische Recherchen dazu führen, eine Plattform zu schaffen, wo übereifrige Politiker in ihrem blinden Aktionismus versuchen sich eine Lobby zu verschaffen. Die zuvor durch den Bundespräsidenten gerühmte Presse, sollte am 20.11.06 wieder mal zeigen, dass sich ihr doch so gelobter Anspruch und Grundsatz der journalistischen Sorgfaltspflicht als schöne Illusion entpuppt.
Mittlerweile verläuft die Berichterstattung in den Internetmedien, Zeitungen und selbst bei den seriösen Nachrichtensendungen nach dem Schema „aktuelle Berichterstattung“ ab. Es geht schon lange nicht mehr darum, objektiv über Sachverhalte zu berichten. Eher geht es um Einschaltquoten und Auflageerhöhungen und nichts treibt dies in jetziger Zeit in die Höhe, wie die Betroffenheit beim Betrachter zu erwecken, damit der Hang zur Neugierde und Empörung befriedigt werden kann. Die Vernetzung von informationspolitischen Nachrichtensendern, dem Web und Zeitungen haben mittlerweile eine Form von politische Realität mit ihrer eigenen Wahrnehmung geschaffen. Für die Meisten in der Bevölkerung und nicht zuletzt auch für viele Politiker erscheint, was gerade in den Medien als Tagesthema gilt, nur noch das als real. Politische Entscheidungen haben sich unlängst darauf eingestellt, nur diese Realität als vordringliche Aufgabe zu betrachten.
Was tatsächlich passierte
Der 18jährige Täter Sebastian B., Abgänger der
Geschwister-Scholl-Realschule, hatte wohl offensichtlich seid langem den
Tag seines Abganges vorbereitet, um diesen mit altertümlichen
Schusswaffen und mit Rohrbomben bewaffnet zu zelebrieren. Im Internet
hatte er bereits in diversen Foren und auf einer eigenen Seite, seine
Beweggründe und Vorbereitung zu dieser Tat bereits angekündigt.
Das was Journalisten einfachheitshalber als Amoklauf titulierten, gründete im Ursprung auf Frust und Einsamkeit des Betroffenen. Diese schlugen mit der Zeit in Selbsthass und Aggression gegen alle, die ihn tatsächlich oder nur vermeintlich gedemütigt hatten. Sein Hass richtete sich aber auch gegen die Konsumgesellschaft als Solche. All dies spiegelt sich in den Aufzeichnungen im Internet wieder und lassen klar eine eindeutige Spirale von Hass, Gewalt und Verzweiflung erkennen.
Trotz allem zeigen die Aufzeichnungen auch, dass sich der spätere Täter, lange vor seiner Bluttat, in der Schule bereits 2004 an ein Internet-Beratungsforum um Hilfe gewandt hat. Wo war da die Hilfe? Selbst Lehrer erkannten, dass der Schüler von Mitschülern gedemütigt wurde und sich zunehmend gegnüber anderen verschloss. Wo war da die sprichwörtliche Sozialkompetenz?
Sensations-Journalismus und seine Folgen
Wie bereits erwähnt, schafften es die Medien innerhalb kürzester Zeit,
mit dilletantischen Recherchen ein völlig falsches Bild der
Öffentlichkeit und den Politikern zu präsentieren. Aber wen
interessieren schon Fakten? Hatten die Medien doch die Online-Plattform
eGun schnell als Internet-Händler tituliert, ohne sich wirklich mit der
Website auseinandergesetzt zu haben. Es wäre dann nämlich aufgefallen,
dass eGun selber keine Waffen anbietet, sondern nur die Nutzer dieser
Plattform. Ein weiteres Beispiel mangelnder Recherchen ist, dass in
Nachrichten von einem ganzen Waffenarsenal, Schusswaffen und
Sprengfallen berichtet wurde. Es wurden auch von zwei Maschinenpistolen
gesprochen. Die Tatsache sah aber wie wir wissen ganz anders aus!
Ebenfalls die Angaben über die durch den Täter erfolgte Anzahl von 37
Verletzten war, trotz einer detaillierten Pressemitteilung der Polizei,
alles andere als richtig. Denn nur fünf Personen wurden tatsächlich
durch den Täter verletzt. Die vor Ort eingesetzten Beamten erlitten
Rauchvergiftungen und Schocks, die im Weiteren ambulant behandelt
wurden. 37 Verletzte lassen sich aber medienwirksam besser verkaufen!
Es gibt noch weitere Fakten, die deutlich machen, dass im Falle Emsdetten mehr als schlechter Journalismus betrieben wurde. Schlimm nur, dass die Medien diese mangelhaften Recherchen als Grundlage für etwaige Diskussionsrunden nahmen, wo sich ein zusammengewürfelter Haufen von sog. Experten in Szene setzten und darüber philosophierten.
In einigen Bundesländern ist man mittlerweile der Auffassung, dass ein Gesetz geschaffen werden soll, der das Anbieten von Tötungsspielen bzw. gewaltverherrlichenden PC-Spielen verbietet. Man spricht sogar von eine Ausweitung der Überwachung des Internets und einer Neuüberlegung zur Überarbeitung des Waffengesetzes. Kaum einer, der sich mit der Thematik des eigentlichen Problems beschäftigt. Die Früherkennung von emotionalen Veränderungen und Verhaltensmustern, die eventuell zu solchen Ausbrüchen führen könnten, sowie fehlende Sozialkompetenzen und Psychologen an Schulen. Leider verschwinden einige wenige Stimmen, die diese Themen ansprechen, in der Menge von politisch gewollten Ansichten.
Fazit
Im Falle Emsdetten wurden eindeutige journalistische Fehler gemacht, die aber zur Folge hatten, dass eine von den Medien gestaltete Realität, dem Betrachter bzw. der Öffentlichkeit als eine sensationserhaschende Wirklichkeit vorgespielt wird. Die sich daraus entwickelnde Meinung der Öffentlichkeit und der Politiker, führen zu falschen Schlussfolgerungen und somit zu blindem Aktionismus.
Klar ist aber auch zu erkennen, dass hier das System versagt hat. Im Falle Emsdetten hätte man schon viel früher reagieren und agieren müssen. Man sieht eindeutig, dass hier der Mensch als Indivituum nicht mehr im Vordergrund unserer Gesellschaft steht. Zwischenmenschliche Probleme werden einfach gerne schnell übersehen und in Zeiten wo Leistungsdruck und Wirtschaftlichkeit an erster Stelle stehen, ist der Stellenwert des Einzelnen gesunken. Aber sind es nicht auch diese Aspekte in unserer Gesellschaft, wogegen sich Sebastian B. aufgelehnt hatte? Es ist jedoch mit o.g. Aktionismus einfacher, den Fehler der Gesellschaft politisch unter den sprichwörtlichen Teppich zu kehren.
Wir als professionelle Airsoftspieler können uns nicht der Auffassung erwehren, dass man mit solch blindem Aktionismus versucht, die Lobby von freien Waffenbesitzern in eine gewollte politische Ecke zu drängen. Wir alle beschäftigen uns durchaus mit solchen Themen und setzen alles dran, damit solche Taten nicht durch falsch verstandene Motivationen passieren. Wir achten alle darauf, dass jeder, der unseren Sport betreiben will, die nötige geistige - und auch emotionale Reife besitzt. Weiterhin soll hier auch deutlich klargestellt werden, dass wir als professionelle Airsoft-Sportbegeisterte uns ganz klar von solchen Taten distanzieren und sie weder gut heißen, noch in irgendeiner Art tollerieren oder gar unterstützen. Können wir nur hoffen, dass solche Taten sich nicht wiederholen und uns die Öffentlichkeit nicht mit sowas in Verbindung zu bringen versucht, denn das ist eindeutig ein Fehler.
